Ehemalige und nun glückliche Mitbewohner

Sky

Jahrgang 1992, in Frankreich mit einem Rüden beschlagnahmt, der Besitzer hatte die Hunde während seines Urlaubs auf dem Balkon vergessen, sie war chancenlos in dem französischen Tierheim.

Sie war nicht ganz problemlos, da sie nicht überall berührt werden wollte und Anzeichen von Dominanz zeigte wie Knurren, wenn man sich beim Geschirr anziehen über sie beugte, aber auch von unglaublicher Lebensfreude, die sie jedem vermitteln konnte, der sie, am Ende der Leine in Höchstgeschwindigkeit um einen kreiselnd, sah. Ihr bevorzugtes Jagdgebiet war die Brücke über die Schnellstraße, dort oben stand sie, flitzte hin und her, kläffte die Autos an, die unter der Brücke verschwanden – tatsächlich elf Jahre alt? Ihr Fell war etwas länger, aber derart verfilzt, dass nach ihrem Auftritt bei „Herrchen gesucht“ selbst der Hundefriseur kapitulierte und zur Schermaschine griff. Als ihre Zukünftigen sie das erste Mal besuchten, lernten sie die neue Rasse „Sibirischer haarloser Schopfhund“ kennen, dessen Hautekzeme (durch die Filzplatten war keine Luft mehr an die Haut gekommen) gerade abheilten. Sky war der einzige Hund, für den wir gezielt einen halbtags berufstätigen neuen Besitzer suchen mussten, denn bekam sie ihren Schönheitsschlaf nicht, war sie unausstehlich.

Ninja

Geboren etwa 1994, ein Fundhund, der seit fast vier Jahren in einem Tierheim festgesessen war. Durch eine Patenschaftsanzeige in „Mensch + Tier“ waren wir auf sie aufmerksam geworden und hatten bei der Nothilfe für Polarhunde e.V. solange an sie erinnert, bis ein zweiter Versuch gestartet wurde, den Hund zu bekommen. Ninja war ein absoluter Traumhund, von einem fröhlichen, allzeit gut gelaunten freundlichen Wesen, das selbst dem übelst Gelaunten ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Ihr Verhalten anderen Hunden gegenüber war einwandfrei, immer traf sie den „richtigen Ton“. Sie hatte fast keine Muskulatur mehr und zusammen mit ihrer Augenerkrankung, die sie im Nahbereich fast blind gemacht hatte, ergab dies eine „Stolperlotte“. Nach Monaten des Muskelaufbaus und einer durchaus erfolgreichen Behandlung durch eine Fachärztin für tierische Augenheilkunde verließ uns nach einem großartigen Fernseh-Auftritt bei „Tiere suchen ein Zuhause“, der ihr trotz Alter und Sehschwäche gleich mehrere Interessenten eingebracht hatte, ein trittsicherer wunderbarer Hund. Sie lebt nun bei einem großen Rüden mit Gehbehinderung, der mit eigener Hundeklappe in einen großen Garten und Hobbys wie Mäuse und Bälle fangen überzeugen konnte. Unser Dank gilt ihrer neuen Familie, die sich auf zwei Handicap-Huskies eingelassen hat.

Akkira

Blutjung, maximal 15 Monate alt, ein „Fehlgriff“ unseres damals noch lebenden Rüden – der alte Herr merkte schnell, dass er ihrem unermüdlichen Temperament nicht gewachsen war. Fast ihr ganzes Leben hatte die Hündin in einem italienischen Tierheim verbracht und war auf dem Entwicklungsstand eines Welpen – selbst im Wind flatternden Blättern sprang sie neugierig und eifrig hinterher. Eine Pferdespur einmal aufgenommen, war sie nicht mehr zu bremsen, wild an der Leine zerrend hechelte sie hinterher. Akkira zeigte bereits Anzeichen von Dominanz (knurren, wenn sie erhöht lag und runter sollte etc.) und begann bereits hier mit der Hundeschule, auf die sie sich mit eigenwilliger Note, aber lernbereit einließ. An der Seite ihrer neuen Familie wird sie die Hundeschule sicherlich erfolgreich abschließen.

 

Feiwel

Jahrgang 1998, hätte einmal der Leithund eines Gespanns werden sollen, hätten sich seine Menschen nicht getrennt. So blieb ihnen wenigstens die Enttäuschung erspart, dass Feiwel zwar blitzgescheit, aber ohne jede Führungsqualitäten ist. Der weiße Rüde blieb mit einem älteren Rüden bei der Frau, wurde fast ausschließlich am Fahrrad bewegt. Im Laufe der Zeit, vor allem nach der Geburt eines Kindes, entwickelte er sich zum Ausbrecherkönig, der für sich selbst im Straßenverkehr zur Gefahr wurde. Im Haus verhielt er sich ruhelos und hyperaktiv. Der am Fahrrad (da seiner Sinneseindrücke wie Riechen, Hören, Sehen so gut wie beraubt) übernervös gemachte Feiwel beruhigte sich innerhalb weniger Tage und mutierte zu einem ausgeglichenen, sehr angenehmen Begleiter, der allerdings ein rasantes Spazier-Tempo vorlegte. Schnell zeigte sich, dass ein äußerst wacher Verstand hinter seinen blauen Augen wohnte, der nach Beschäftigung verlangte und diesen Hund zu einem sehr zeitaufwendigen Gefährten werden ließ. Feiwel langweilte sich bereits, wenn er an einem Tag denselben Weg zweimal laufen sollte…. Aber Feiwel wollte nicht nur beschäftigt werden, sondern auch gelobt. Freudig wiederholte er Handlungen, die ihm Lob eingebracht hatten, wurde er nicht mehr gelobt, konnte er selbst einfachste Dinge nicht mehr …..In einem frisch gebackenen Rentner-Ehepaar fand er die Menschen, die ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit und den Raum in ihrem Leben geben konnten, wie er es brauchte. Seine Menschen fuhren 700 km quer durch Deutschland um ihre Stelle als „Beschäftigungstherapeuten“ bei Feiwel anzutreten. Wir sagen Danke – Danke für die Bereitschaft, sich auf einen solch intelligenten und daher zeit- und arbeitsintensiven Hund einzulassen.

Cinderella Cinderella

Cinderella, eine achtjährige, kastrierte Dackel-Dame mit wunderschönem rötlichem Fell, sollte eigentlich vom Tierarzt eingeschläfert werden, als ihre Besitzerin unheilbar erkrankt ins Krankenhaus musste. Da Cinderella abgesehen von etwas übergewicht kerngesund war, bot der Tierarzt an, Cinderella in seine Obhut zu nehmen und dafür zu sorgen, dass sie einen guten Platz findet.

über das Internet meldete sich schließlich ein Ehepaar mit mehr als dreißig Jahren Teckel-Erfahrung, wärmstens empfohlen von Veterinär zu Veterinär. Und auch die Pflegestelle war bereits im Vorfeld begeistert von der Vorfreude und Wärme, die in den Gesprächen mitschwang. Genauso verlief dann auch die persönliche Begegnung – strahlende Freude und Glück auf den Gesichtern der neuen Besitzer, die Cinderella sofort in ihr Herz schlossen. So hat auch die kleine, fröhliche Dackel-Dame nun wieder einen Platz gefunden, wo sie umsorgt und geliebt wird.

Jack
Hallo, ich bin der Jack – und ich bin weg!!!!

Mit seinen noch nicht mal sechs Jahren war Jack eindeutig jünger als die meisten der hier einziehenden Pflegehunde, obwohl temperamentvoll und verspielt (siehe Bilder), war er doch eher ein ruhigerer, gelassener Vertreter der Nordischen Rasse.

Mit einem vier Wochen Crash-Kurs in Sachen „Wohnungs-Hund“ ausgestattet, der nicht immer ganz „reibungslos“ ablief verließ er uns recht schnell wieder, um bei einer netten Familie einzuziehen. Leider scheint der nette Jack vom Pech verfolgt, denn nur wenige Monate später erkrankte das Familienoberhaupt so schwer, dass Jack – immer irgendwie auch ein Glückskind in seinen Pechsträhnen – abgegeben werden musste. Der Nothilfe für Polarhunde e.V. gelang es, Jack einen nahtlosen übergang (ohne Auffangstations-Aufenthalt!) von einer Familie zur anderen zu verschaffen, auch dort hat er sich ohne Schwierigkeiten integriert und mit dem ihm eigenen Charme Familie und Nachbarschaft in kürzester Zeit von seinen Qualitäten überzeugt.

Mein Dank geht an meinen Paten, der das alles für mich organisiert hat – auch wenn er selbst manchmal andere „Träume“ gehabt hätte – und der immer für mich da war, solange ich ihn brauchte – danke Uwe, Du bist mir ein richtiger Freund!

 

 

Ginger Ginger teilte ihr Schicksal mit unzähligen anderen, stillen, bescheidenen und unauffälligen Hunden – sie wurde übersehen, übergangen und über weite Strecken ihres Lebens nicht artgerecht gehalten und versorgt.


Als die Hündin mit gut neun Jahren bei der Nothilfe für Polarhunde e.V. aufgenommen wurde, litt sie bereits seit vielen Monaten unter einer nicht behandelten und sehr schmerzhaften Bandscheibenentzündung, beginnender Arthrose in vielen Gelenken und hatte deutliches übergewicht. Psychisch war die Hündin nicht eben in bester Verfassung, ihr Lebensmut war durch den ständigen Schmerz deutlich gesunken. So war also zunächst eine umfangreiche tierärztliche Versorgung nötig, die rasch zu guten körperlichen Ergebnissen führte, doch es dauerte Monate, bis die Hündin ihre „Lebensgeister“ wieder fand. Was zunächst auf Spaziergängen ohne Leine hinterher getrottelt war und auf das man hatte immer wieder warten müssen, entwickelte sogar bescheidenen Jagdtrieb, eben mal genug, um nicht mehr von der Leine zu können. Nach fast einem halben Jahr wurde sie sogar einmal beim Klauen von der Arbeitsfläche und beim Sprung auf die Eckbank beobachtet!
Ginger bekam im Laufe der Monate einige Angebote, doch nicht einmal ein Fernsehauftritt bei „Herrchen gesucht“ verschaffte ihr den „richtigen“ Platz, einen Platz mit viel Zeit für sie, mit viel Verständnis für ihre gesundheitlichen Einschränkungen, den Platz als Alleinhund. Ginger war zwar verträglich mit anderen Hunden, aber nicht wirklich an diesen Kontakten interessiert, ein Verhalten, das vielen Hunden gemein ist, die lange in einem Tierheim lebten. Im Internet wurde sie schließlich entdeckt von ihrem neuen Besitzer und gleich beim ersten Kontakt zeigte sich, dass die beiden zueinander passen wie „Topf und Deckel“. So verlief Gingers Umzug recht unspektakulär, die ruhige Gelassenheit, die in ihrem neuen Heim herrscht, machte ihr die Eingewöhnung leicht. Schnell sind Herr und Hund ein Team geworden, das einander gut beobachtet und durch kleine Gesten versteht. Einen schöneren Platz hätte diese bescheidene, anspruchslose Hündin nicht finden können. Leider beendete ein völlig überraschender Schlaganfall ihres Besitzers im Frühjahr 2006 das kleine Glück der alten Hündin und Ginger wurde erneut bei der Nothilfe für Polarhunde e.V. abgegeben. Nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in der Auffangstation konnte Ginger in eine private Pflegestelle umziehen, in der sie nun auf eine neue Chance hofft.
Uns hat es sehr weh getan, Ginger nicht noch einmal aufnehmen zu können, aber mit zwei Huskys in der Pflegestelle sind wir an der Grenze dessen, was unsere Nachbarn gerade noch verkraften.


Gingers Tagebuch, das ihren harten Kampf um eine „passable“ Figur oder das Elend des Diäthaltens wiedergibt, haben wir ebenso belassen wie einen Teil der Fotos von dieser ganz besonderen Hündin.
 

Alaskan Alaskan – ein Hund voller überraschungen…

Von dem sich selbst im Tierheim verletzenden Notfall - Fundhund Alaskan sollten wir eigentlich nur Fotos für die Vermittlung machen und waren von diesem Hund so angerührt, dass wir trotz seiner beachtlichen Größe einen Pflegeplatz für ihn bereitstellten. Turbulente Wochen folgten, denn kaum hatten wir alle Feinheiten seiner Erziehung bestaunt, teilte uns der Tierarzt mit, dass er mit 18 Monaten jünger ist als ursprünglich gedacht, um uns dann kurz darauf den Verdacht auf eine Bauchspeicheldrüseninsuffizienz zu präsentieren. Alaskan selbst untermauerte sämtliche Aussagen des Tierarztes bei Hundebegegnungen mit ausgesprochen pubertärem Rotzlöffel-Verhalten an der Leine und Verdauungsproblemen.
Tierarzt und Hundetrainer sorgten dafür, dass uns während dieser Wochen nie langweilig wurde – fast täglich waren wir auf der Freiburger Hundewiese am Arbeiten mit der Schleppleine und den dort immer vorhandenen gut sozialisierten Hunden.
Alaskans Vorstellung im Internet hatte eine wahre Flut von Anfragen ausgelöst und gemeinsam mit der Geschäftsstelle arbeiteten wir uns durch die Angebote. Eine mail aus der Schweiz erschien viel versprechend und wir vereinbarten ein erstes Treffen, auf der Alaskan vertrauten Hundewiese brachten wir ihn mit seinen zukünftigen beiden Hunde-Mitbewohnern zusammen. Nach einer Stunde waren wir sicher, die Menschen gefunden zu haben, die die Schwächen dieses Hundes realistisch einschätzten, aber auch das großartige Potential sahen, über das Alaskan verfügt. Seine extreme Menschenbezogenheit, seine Gelehrigkeit, seine Zugänglichkeit und seine bereits vorhandene, für einen Husky beeindruckende Erziehung, verzauberten diese Menschen ebenso wie uns – mit einem sehr guten Gefühl ließen wir ihn eine Woche später ziehen.
Zu Alaskans neuen Menschen besteht ein netter Kontakt, der keinen Zweifel daran lässt, dass dieser lernwillige Hund sehr gefördert wird. Zwei souveräne, gelassene (Alt-)Hunde „deckeln“ seine altersbedingten Aufmüpfigkeiten an der Leine wirksam und die Vielzahl der Hunde im Familien- und Freundeskreis tragen das ihre dazu bei, Alaskan seine „Grenzen“ aufzuzeigen. Besonders freut uns, dass Alaskan in dem älteren Rüden einen „väterlichen“ Freund gefunden hat und in der Hündin eine Gefährtin zum Löcher graben. Da die beiden vorhandenen Hunde ausgesprochene Frauchen-Hunde sind, hat Alaskan, wie gewünscht, sein Herrchen (fast) für sich alleine – und Herrchen endlich auch einen Hund. Viele weitere Kleinigkeiten im Umfeld der Familie tragen dazu bei, dass es einen idealeren Platz für Alaskan nicht geben kann – hier passt einfach alles.
Obelix Obelix – ist er hier am richtigen Ort? Bei den Glücksfellen?

Obelix

 

Auf seine Weise schon, auch wenn er kein Zuhause fand – denn das wusste er ja nicht, dass er „nur“ Pflegehund war.
21 Monate lebten wir mit Obelix und er mit uns – Pflegefrauchens „Herzenshund“. Er war ein besonderer Rüde, mit ganz besonderen Anforderungen. In der Zeit mit ihm haben wir alle ununterbrochen dazu gelernt, sind gewachsen an der Seite dieses Hundes, der trotz allem keine Chance hatte.

 

Die Geschichte vom chancenlosen Obelix finden Sie hier www.obelix.de.pn