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Hunde aus dem Ausland – ein umstrittenes Thema
Wie bei vielen anderen Vereinen auch, finden sich bei der Nothilfe für Polarhunde e.V. immer wieder einmal Hunde, die aus dem Ausland gekommen sind. Innerhalb des Vereins wird dieses Thema so kontrovers diskutiert wie „auf der Straße“.
Ein recht häufig angeführtes Argument gegen den Import von Hunden aus dem Ausland sind unsere nach wie vor gut gefüllten Tierheime, die Auffangstationen nicht ausgenommen. Leider ist es jedoch so, dass eine große Zahl der dort zu findenden, meist großen Hunde aus dem einen oder anderen Grund als „Problemhund“ oder „Sorgenhund“ bezeichnet werden muss. Problemhunde sind diejenigen Hunde, deren frühere Haltungsbedingungen dazu führten, dass sie verhaltensauffällig wurden und nun auf ganz spezielle, hundeerfahrene Menschen warten, die oft weder Kleintiere, noch Kinder oder Ersthunde haben sollten – dies schränkt die Zahl der potentiellen Halter stark ein und macht eine rasche Vermittlung unmöglich. Unter den Begriff Sorgenhunde fallen all diejenigen, die nicht dem Idealbild Hund entsprechen: jung, gesund, lebensbejahend und gut zu handeln. Die ängstlichen und lebensunerfahrenen unter ihnen sind noch diejenigen, die am ehesten zu vermitteln sind – die älteren, arthrose- oder sonst wie gesundheitlich angeschlagenen Tiere warten häufig Monate oder gar Jahre auf ein neues Zuhause, denn Menschen, die sich bewusst auf diese Hunde einlassen, sind so selten wie die Bewerber für Problemhunde. Menschen, vor allem Familien mit Kindern, die einen Hund möchten, werden mit Sicherheit keinen Problemhund nehmen, auch wenn dieser der einzige in der ganzen Auffangstation wäre – und selbst wenn, die Verantwortung für eine solche Vermittlung könnte die Nothilfe für Polarhunde e.V. nicht übernehmen. Denn trotz des Wunsches, für Sorgen- und Problemfälle bald einen Platz zu finden, muss immer gewissenhaft abgewogen werden, ob eine Vermittlung eine realistisch erscheinende Chance auf Dauerhaftigkeit hat – Hunde sind Lebewesen, denen nicht geglückte Vermittlungen oft sehr schaden und zukünftige schwieriger machen. Hunde, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, sind in der Regel eher von kleiner Statur, jung und sehr umgänglich im Verhalten. Nur so ist es gewährleistet, dass diese Hunde zügig Endplätze finden. Sie werden vor allem von Großstadt-Tierheimen aufgenommen, die eine weitaus größere Nachfrage nach diesen Hunden haben als sie selbst aus dem eigenen Bestand bedienen können – denn auch hier gilt, wer einen Hund bis maximal Kniehöhe sucht, wird das Tierheim leider nicht mit einem Deutschen Schäferhund verlassen. Der weitaus größte Teil der Vermittlung von Auslandshunden findet mittlerweile über das Internet statt, die Hunde werden dann direkt aus dem ausländischen Tierheim an einen Endplatz vermittelt – das Risiko von „Rückläufern“ ist in etwa gleich wie bei der Direktvermittlung, es wird immer den einen oder anderen Menschen geben, der sich das Leben mit Hund auf die eine oder andere Weise ganz anders vorgestellt hat und daher an der Realität scheitert. Speziell bei Hunden aus südlichen Ländern steht immer im Raum, dass mit ihnen Krankheitserreger in unseren Breiten Einzug halten würden, denen wir sonst nicht ausgesetzt wären. Dies ist in Zeiten eines enormen Urlaubs- und Geschäfts(flug)verkehrs recht kritisch zu sehen, da wir Menschen selbst für jede Menge Nachschub an Erregern aus unseren Urlaubsländern sorgen, infizierte Mücken an Bord unserer Flugzeuge oder Wohnmobile einreisen und auch unsere eigenen Haustiere zunehmend als „Touristen“ der Gefahr ausgesetzt sind, aus dem Urlaub nicht so gesund zurück zu kommen wie sie abgefahren sind. Das Gros der südländischen Hunde ist vor dem Abflug komplett tierärztlich gecheckt, negativ getestet, entwurmt und mit Floh- und Zeckenprophylaxe versehen. Bei den durch Zecken übertragenen Krankheiten wie Borreliose ist es im übrigen so, dass in vielen Teilen Deutschlands schon seit Jahren und Jahrzehnten ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht, das mancher dort ansässige Tierhalter gern aus Bequemlichkeit oder Kostengründen vernachlässigt.
Hunde, die per Flugzeug oder Transporter ins Ausland gebracht werden, müssen alle von einem Veterinär für reisetauglich befunden worden sein, sie reisen im Flugzeug ab einer Größe von 7,5 kg im klimatisierten Gepäckraum in speziellen Flugboxen. Fraglos ist so ein Transport für das betreffende Tier belastend und daher sind die beteiligten (seriösen) Tierschützer sehr daran interessiert, nur physisch und psychisch den Belastungen gewachsene Tiere auf die Reise zu schicken. Wobei auch hier immer wieder Ausnahmen zu finden sind, die ihren Ursprung im Mitgefühl der am Tierschutz beteiligten Menschen haben: manchmal, gerade wenn man täglich mit ihnen zu tun hat, wachsen einem die „ärmsten der Armen“ unsagbar ans Herz und wenn sich für so einen dann die Chance auf eine Pflegestelle und eine möglicherweise im Ausland nicht oder auf Grund der Umstände nicht durchführbare Behandlung ergibt, dann geht auch einmal ein „nicht dem Schönheitsideal entsprechender“ Hund auf Reisen. Ein Riesenproblem abgesehen von diesem recht alltäglichen Geschehen im Auslandstierschutz sind gewisse Modetrends, die wie eine Welle durch Europa schwappen, erst war es der Deutsche Schäferhund, dann folgten Rassen wie Dalmatiner und die Nordischen Hunde, die derzeit in Spanien in jeder Tötungsstation zu finden sind. Da die Lebensgewohnheiten der Menschen im Süden doch noch ein wenig anders sind wie die unsrigen – wir sind doch eher diejenigen, die unabhängig von der Haltung eines Nordischen Zäune um unsere Grundstücke ziehen, unsere Haustüren nur zum rein- und rausgehen öffnen – ist die Lage der jagdwütigen Nordischen, die selten ein Zaun von Nachbars Nutztieren trennt, mehr als fatal. Nach irgendwelchen Vorfällen in die Tierheime gebracht, leiden die sensiblen Nordischen dort sehr unter der Einschränkung ihres Bewegungsbedürfnisses, der drangvollen Enge und den fehlenden Bezugspersonen.
Die Nothilfe für Polarhunde e.V. sieht ihre Aufgabe zunächst darin, den Hunden hier vor Ort zu helfen, so gut es möglich ist, die Augen jedoch generell und jederzeit vor dem sich abspielenden Elend im Ausland zu verschließen, mit dem die Geschäftsstelle und engagierte Mitglieder immer wieder auf die eine oder andere Weise über Einzelschicksale (und der dahinter stehenden Bitte anderer Tierschützer, zu helfen) direkt konfrontiert werden, ist nicht durchführbar.
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