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Was bedeutet eigentlich Pflegestelle?
Hunde, die über die Nothilfe für Polarhunde e.V. vermittelt werden sollen, kommen von überall her, Fundhunde, Langzeit-Tierheiminsassen, Abgabetiere, Trennungswaisen ..... - alle diese Tiere suchen ein neues Zuhause und finden dies auch, früher oder später. Die Hunde, die das Pech haben, nicht übergangslos von einem Besitzer zum nächsten zu kommen, verbringen ihre "Wartezeit" in Tierheimen, in den Auffangstationen und in Pflegestellen. Die Auffangstationen tun, was sie können, die Mitarbeiter leben oft mehr dort als Zuhause, aber es bleibt wie es ist: viel zu viele Hunde und viel zu wenig helfende Hände. Es wird viel Vorbereitungsarbeit bei Hunden geleistet, die teilweise gravierende körperliche und psychische Probleme haben, ein Leben wie in einer Familie ist es aber nicht. Und hier setzen nun die Pflegestellen an, die den Hunden ein vorübergehendes Zuhause bieten ähnlich wie Pflegefamilien auf Hilfe und Unterstützung angewiesene Kinder aufnehmen. Die Hunde, denen mit Worten keiner erklären kann, warum sie die vertraute Sicherheit ihrer Familie oder die der wiederkehrenden Abläufe in einem Zwinger verloren haben, sind zunächst einmal verunsichert. Meist sind es keine "unbeschriebenen" Welpen, sondern ausgewachsene Hunde mit einem ganz individuellen Reichtum an guten und schlechten Erfahrungen. Viele von ihnen verhalten sich in der ersten Zeit abwartend, manche aber präsentieren zunächst nur "schlechte" Eigenschaften und Angewohnheiten. Im allgemeinen rechnet man mit rund vier Wochen, bis ein Hund sich eingelebt hat und sich so präsentiert wie er ist. Diese erste Zeit ist die Anstrengendste, von der Normalität des Alltags bleibt oft nicht mehr viel. Hund und Mensch tasten sich aneinander heran, was kann man zusammen machen, gibt es Personengruppen, die für den Hund schwieriger sind? Lässt er sich Halsband und Geschirr problemlos anziehen? Wie reagiert er auf fremde Menschen, die ihn anfassen wollen (und die Pelzgesichter reizen die Leute durch ihr Aussehen förmlich dazu!)? Was können Mensch und Hund, kann der Mensch für diesen Hund problemlos Rudelführer sein oder stellt der Hund die Führung in Frage? Wie verhält sich der Hund im Haus / in der Wohnung? Scheint er es gewöhnt zu sein oder lösen elektrische Geräte Unruhe- oder Angstzustände aus oder ...? Ist er stubenrein? Zerlegt er die Einrichtung, wenn er seinen Menschen aus dem Blick verliert oder gar kurz alleine bleiben muss? Bleibt er längere Zeit alleine? Wie verhält er sich beim Autofahren, wenn er vielleicht sogar alleine im Auto warten muss? Stiehlt er? Bettelt er am Tisch so, dass es störend ist? Bellt oder heult er, wenn er bei menschlichen Mahlzeiten aus dem Raum entfernt wird? .......... Je mehr man von einem Hund im Vorfeld erfahren konnte, desto gelassener ist diese Zeit zu durchleben (vorausgesetzt, die hündischen Verhältnisse waren gut), bei Fundhunden oder beschlagnahmten Tieren ist es ein "überraschungspaket", alles ist möglich. In dieser Anfangsphase sollte man den Hund genau beobachten, sich so viel mit ihm beschäftigen, wie er es haben möchte und, wenn irgendein Verhalten nicht erwünscht ist, den Ernstfall in Gedanken stets präsent haben und verhaltensändernde Maßnahmen in die Wege leiten. Ein wachsames Auge sollte man auch auf den Gesundheitszustand des Tieres haben, diese werden zwar vor übergabe tierärztlich untersucht, können aber dennoch Probleme haben, die in dieser Untersuchung nicht erfasst wurden. Die Verantwortung für die Gesundheit des Hundes liegt voll bei der Pflegestelle. Für die Pflegestelle sollte sich nach einigen Wochen ein Bild von dem zukünftigen Platz des Hundes abzeichnen, eher was ruhigeres oder was lebhaftes, mit Kindern oder ohne usw. - für die Frontfrauen und -männer des Vereins eine unverzichtbare Hilfe bei der Vermittlung, "Rückläufer" schaden Hund und Mensch. Während des Wartens auf einen Platz kann die Pflegestelle weiter Informationen über das hündische Verhalten sammeln, Dinge ausprobieren, die vielleicht nicht unbedingt in den direkten Lebensbereich vor Ort fallen, wie Kleintiere, Katzen, Jagdtrieb (Waldspaziergang, Viehweiden??), Stadtlärm mit Bus und Bahn, Menschenansammlungen, Wege in der Nähe eines Altersheims (Personen mit andersartigem Gang, Rollwägen, Rollstühle) oder einer Schule - was immer man auch probiert, es darf den Hund nicht überfordern und keinesfalls ängstigen und selbstverständlich niemanden gefährden. An allen Verhaltensmustern, die von der Pflegestelle als eher problematisch einstuft werden, sollte gearbeitet werden - hier können vor allem die Mitarbeiter der Auffangstationen oft mit praktischen Tipps Hilfestellung geben. Und manchmal ist sogar professionelle Hilfe nötig, also Verhaltenstrainer oder ähnliches. Auch hier ist wieder Geduld und Konsequenz gefragt, schnelle Erfolge sind eher die Ausnahme. Irgendwann wird dann der Tag des Abschieds kommen, bei dem einen Hund ist die Stimmung der Pflegestelle vielleicht eher erleichtert, oft ist es aber bittersüß, die Freude für den Hund, dass er ein "eigenes" Zuhause hat ist da, aber auch die Trauer.
Wie wird man nun Pflegestelle?
Es ist wie bei der Vaterschaft: werden ist einfacher als sein. Klären Sie, ob die äußeren Voraussetzungen für eine Hundehaltung (auch bei einem Zweithund!) gegeben sind - wohnen Sie in einem Haus mit mehreren Parteien und ist Hundehaltung generell erlaubt, holen Sie die Zustimmung von Vermieter oder Hausverwalter ein und sprechen Sie mit den anderen Mietern / Eigentümern. Haben Sie ein eigenes Haus mitten in der Pampa ohne direkte Nachbarn, kontrollieren Sie die Höhe Ihres Gartenzaunes - würden Sie für einen Hund gegebenenfalls aufstocken? Steht Ihr Haus nicht in der Pampa, kontrollieren Sie den Zaun und versichern Sie sich, dass Ihre Nachbarn tolerant sind. Ist noch kein Hund in Ihrem Leben, setzen Sie sich als nächstes mit den in Ihrem Haushalt lebenden Lieben zusammen und besprechen das Thema Hund im allgemeinen, die Zuständigkeit für Erziehungsfragen und wenn Sie Kinder haben - machen Sie Ihren Kindern begreiflich, dass Hunde Zähne haben, mit denen sie beißen können, dass gewisse Regeln in der ersten Zeit strikt eingehalten werden müssen: schlafenden Hund nicht aufschrecken, nicht drüberbeugen, nicht an den Hund kuscheln, nicht am Schwanz oder an den Ohren ziehen ...... Wenn Sie jüngere Kinder haben - hat der Hund, wenn er auf Ansammlungen von Schreihälsen nicht steht, eine Rückzugsmöglichkeit? Können Sie Kind und Hund möglichst umfassend beaufsichtigen? Stellen Sie sicher, dass die Betreuung wirklich vorhanden ist, auch für den Ernstfall wenn der Hund also 24-Stunden-Service braucht (Hund hat Durchfall, Hund hat einen Verband, den er nicht abreißen soll ..),. Kommen Sie mit den Hundehaaren all überall und dem zusätzlichen Schmutz (nicht zu unterschätzen: verdreckte Schuhe!) klar? Stellen Sie sich einen nassen, verdreckten Hund vor, der über Betten und Sofas springt und sich dort möglicherweise zur Ruhe begibt, stellen Sie sich etwas angenagtes, etwas umgestoßenes, etwas zerbrochenes und etwas gestohlenes vor. Sind Sie Optimist genug, um sicher zu sein, dass auch dies mit Geduld und Konsequenz schon werden wird (und eventuell Umstellung von menschlichem Verhalten wie keine Lebensmittel mehr auf Tisch oder Arbeitsfläche unbewacht zu lassen)? Ein paar Gedanken sollten Sie der Dauer des Pflegeverhältnisses widmen - könnten Sie sich auch einige Monate mit einem Hund einrichten? Ist ein Urlaub bereits geplant, wo der Hund unmöglich dabei sein kann ? Ist bereits ein Hund im Haushalt, gibt es noch andere Aspekte, die berücksichtigt werden sollten. An Spielzeug, Kauknochen oder ähnlichem entzünden sich häufig Beißereien - sind Sie bereit, Ihrem Hund all seine geliebten Spielsachen zu rauben und diese eventuell für die ganze Pflegezeit sicher zu verwahren? Können Sie damit leben, dass Ihr imposanter Hund in sich zusammenfällt, wenn der "Neue" die Zähne zeigt und der "Neue" fortan der Alpha-Hund ist? Wissen Sie, dass Sie Ihren Hund nun nicht mit Zuwendung überhäufen dürfen, da dies Aggressionen des Alpha-Hundes Ihrem Hund gegenüber verstärken könnte? Haben Sie schon einmal zwei Hunde ausgeführt, wissen Sie, dass sich vieles in der Gemeinsamkeit verstärken kann - Jagdtrieb, Aggression usw.? Was tun Sie, wenn einer der Hunde krank oder verletzt ist und der andere Bewegung braucht? Haben Sie ausprobiert, ob Ihr Hund überhaupt einen fremden Hund in Ihren Haushalt lässt? Sind Sie der Situation gewachsen, wenn in der ersten Zeit viel geknurrt werden sollte?
Und immer gilt: Haben Sie die Geduld und Ausdauer, gegebenenfalls an den Schwächen eines Hundes zu arbeiten und seine guten Seiten zu verstärken? Schätzen Sie das Laufbedürfnis der Nordischen Hunde realistisch ein? Wissen Sie, dass die Hunde immer an der Leine zu führen sind (und können Sie mit den Kommentaren der Mitmenschen leben, die den Leinenzwang ablehnen)? Wenn Sie einen mit gleichgeschlechtlichen unverträglichen Hund haben, kommen Sie damit klar, wenn sich Ihr andersgeschlechtlicher Pflegehund ebenso verhält? Sie also zukünftig ein Rüden- und Hündinnen-Problem haben? Sind Sie bereit, Ihr derzeitiges, schön eingespieltes Leben vielleicht völlig auf den Kopf stellen zu lasen? Können Sie auf lieb gewordene Gewohnheiten (Kaffeetrinken bei der Freundin mit fünf kleineren Kindern - es zeigt sich, Ihr Pflegehund mag keine kleinen Kinder) verzichten oder finden Sie eine andere praktikable Lösung? Können Sie sich "gut" trennen oder "fallen Sie in ein tiefes Loch"? Es gibt Hunde, bei denen wenig bis keine Hundeerfahrung ausreicht, bei anderen scheinen ganze Erfahrungsschätze nicht zu reichen - wenn Sie mit einem Hund überfordert wären, würden Sie es sagen, sich raten, helfen lassen? Notfalls einen Hund sogar wieder abgeben?
Wenn Sie noch immer an einem Dasein als Pflegestelle interessiert sind, reicher werden Sie dabei nur an Erfahrungen - finanziell gesehen leider nicht. Es gibt keine allgemein gültige Kostenregelung, denn jeder Hund ist anders, der eine kerngesund, der andere schwerstkrank, ein anderer braucht spezielle Nahrung. Die Kostenübernahme ist immer eine Einzelfallentscheidung, die vom Gesundheitszustand des Tieres abhängig ist.
Sollten Sie noch immer nicht abgeschreckt sein - gerne! Vereinbaren Sie einen Termin und ein Mitarbeiter der Nothilfe für Polarhunde e.V. wird Sie zu Hause besuchen und alle für Sie wichtigen Einzelheiten mit Ihnen besprechen. Die meisten Hunde sind übrigens viel besser als hier dargestellt ...
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