Yaskas Tagebuch
 

 

Das Alleinbleiben – ein Dauerthema

 

Oder sollte man es Dauerproblem nennen? Hunde, die sich destruktiv, also zerstörerisch verhalten, wenn sie allein zu Hause bleiben sollen, sind im Tierschutz keine Seltenheit, denn früher oder später führt dieses Verhalten meist zur Abgabe eines Hundes. Dünner gesät sind dagegen die Plätze, die einem Hund einen 24-Stunden-Service bieten können und so bleibt nur, das Bewusstsein für das Thema Alleinbleiben bei den (potentiellen) Hundehaltern wach zu halten.

 

Der Hund ist ein sehr soziales Wesen, ein Rudeltier, für den Alleinbleiben ein nicht artgerechtes Verhalten darstellt, dieser knallharten Tatsache muss man sich einfach bewusst sein. Da wir nun meist durch unsere Lebensumstände gezwungen sind, von einem Hund genau dieses Verhalten zu verlangen, sollten wir uns auch besondere Mühe geben, ihm dies nahe zu bringen.

 

Ob es sich bei dem Hund, dem Sie dieses Verhalten Alleinbleiben beibringen wollen, um einen Welpen oder einen ausgewachsenen Hund handelt, bleibt sich in vielem gleich, im glücklichsten Fall können Sie sogar beim erwachsenen Hund auf das früher erlernte Alleinbleiben zurückgreifen und erarbeiten es nur „neu“ nach einem Platzwechsel. Im schlimmsten Fall stoßen Sie auf massive Verlassensängste bei einem erwachsenen Hund und haben dann vermutlich mehr oder weniger große Schwierigkeiten.

Das Merkmal „bleibt alleine“ in Vermittlungstexten bedeutet nur, dass der Hund dies einmal erlernt und ausgeführt hat, Sie sollten nicht unbedingt davon ausgehen, dass er nach dem Trauma „Verlust der Bezugsperson(en)“ und vielleicht auch einem Tierheimaufenthalt sofort und ohne übung alleine bleibt.

 

Damit der Hund alleine bleibt, ist übung erforderlich, stetiges und konstantes üben, Tag für Tag, Schritt um Schritt. Sie brauchen daher zunächst einmal Zeit, daher auch der immer wieder erteilte Rat an potentielle frischgebackene Hundebesitzer, sich erst einmal zeitlichen Freiraum zu verschaffen, bevor der Hund wirklich einzieht. Dann sollten Sie sich mit sich selbst darüber einig sein, dass das Alleinsein zwar ein dem Hund artwidriges Verhalten ist, jedoch unumgänglich und notwendig für einen Hund in der heutigen Gesellschaft. Alleine sein gehört zum Alltag des heutigen Hundes und daher sollten auch Sie sich „normal“ verhalten, d.h. auf Abschieds- und Begrüßungszeremonien großen Stils verzichten.

 

Das Training beginnt mit ganz kleinen Schritten, die wieder und wieder geübt werden, eine Ausdehnung erfolgt langsam und nur, wenn das bisher gelernte problemlos funktioniert. Im Idealfall üben Sie mehrfach pro Tag, zunächst mit so ganz simplen Dingen, wie das Zimmer zu verlassen und dann wiederzukommen. Später gehen Sie alleine zum Briefkasten oder zur Mülltonne, mit so wenig Aufhebens wie möglich. Dehnen Sie die Phasen allmählich aus, bis Sie dort sind, wo Sie zeitlich hin möchten /müssen. Hunde können auch lernen acht Stunden am Tag alleine zu bleiben, aber mal ehrlich, muss das wirklich sein? Wäre da ein Katzenpäarchen oder ein Aquarium nicht besser geeignet als Haustier?

 

Das Alleinbleiben fällt den meisten Hunden müde, also vorher ausreichend bewegt, und mit vollem Bauch leichter – da kann sich Frühaufstehen durchaus lohnen. Wenn bei Ihnen von früh bis spät der Radio läuft, dann lassen Sie ihn laufen, wenn Sie gehen, quasi als „normale“ Geräuschkulisse. Manche Vierbeiner freuen sich auch über eine Beschäftigung wie einen Snackball oder ein Kauspielzeug, das sie während Ihrer Abwesenheit „bearbeiten“ können. Geht doch einmal etwas nicht dafür Bestimmtes kaputt, so bleiben Sie ruhig, schelten und strafen hilft nichts. Ihr Hund hat es nicht mit Absicht getan, sondern er war aus irgendeinem Grund frustriert oder gar ängstlich (die Zeitspanne war zu lang, ein Geräusch hat ihn verstört).

 

Zurückkehren in die Wohnung sollten Sie übrigens nur, wenn Ihr Hund sich still verhält, hören Sie ihn also heulen, bellen oder an der Tür kratzen, warten Sie bis er sich einen Moment still verhält und öffnen Sie dann die Tür – andernfalls (Selbstdressureffekt) lernt er nämlich, dass er Sie mittels Rabatz zurückholen kann.

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