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Und er spricht doch …..
Das Lernverhalten des Hundes findet nach dem Prinzip „gleichzeitig Erlebtes und Empfundenes verknüpft sich“ statt. Das eigene Tun, der erzielte Erfolg oder auch Misserfolg wird vom Hund immer mit einer Stimmungslage, Gefühl, verknüpft, die entsprechend positiv oder negativ ist. Diese gefühlsmäßig erfolgte Bewertung wird ebenso gespeichert wie die gemachte Erfahrung und beeinflusst das zukünftige Lernverhalten des Hundes, vor allem bei Ersterlebnissen. Wird ein solches negativ erlebt, also die angeborene Angst vor Unbekanntem nicht überwunden oder gar verstärkt, entstehen oft sogar Lernblockaden. Sie entwickeln sich meist durch die Verknüpfung der nicht bewältigbaren Situation und der damit verbundenen negativen gefühlsmäßigen Bewertung, die sich tief in das emotionale Gedächtnis eingraben. Tritt eine vergleichbare Situation auf, wird die negative Gefühlslage mit wachgerufen und verhindert das positive (weiter) lernen. Der Hund gerät unter psychischen Druck, meistert die Situation erneut nicht und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich nun für vergleichbare Situationen eine Lernblockade entwickelt. Einst war dieser Mechanismus von der Natur zum Selbstschutz gedacht, künftige, ähnliche Situationen sollten gemieden werden. Durch die Lebensbedingungen des Hundes in der modernen Gesellschaft können sich daraus aber ernsthafte Schwierigkeiten ableiten, beispielsweise, wenn die Meide-Situation Treppen betrifft. Bei heranwachsenden Welpen ist es von besonderer Bedeutung, dass ihre Lernerlebnisse so oft als möglich positiv sind. Daher gilt es, ihrer Körpersprache besonders aufmerksam zu „lauschen“ und die Signale entsprechend zu deuten. Ein Welpe, der in eine Situation gerät, der er sich (noch) nicht gewachsen fühlt, gerät in einen inneren Konflikt, also in einen Widerspruch zwischen den Anforderungen und Belastungen einerseits und der momentanen Leistungsfähigkeit andererseits. Während sich dieser Konflikt anbahnt, sendet der Welpe bereits Signale aus, an denen sein innerer, angespannter Zustand ablesbar ist. Diese Konfliktreaktionen können auch während einer sich zuspitzenden Situation oder im Verlauf ihres Abklingens auftreten. Konflikte an sich gehören zum Alltag, denn das Leben von Mensch und Tier ist voller Widersprüche und Konflikte. Zeigt ein Tier Konfliktreaktionen, sagen diese grundsätzlich noch nichts über den weiteren Verlauf des Verhaltens und die Entwicklung der Situation aus. Sie sind nur Zeichen für eine erhöhte Aufmerksamkeit und Aktivierung des Organismus. Einzelne Konfliktreaktionen treten auf, wenn der Hund Neues oder überraschendes wahrnimmt, etwas seine Aufmerksamkeit wachruft, das für ihn Bedeutung hat oder eine Erinnerung wachruft. Sie haben hier die Bedeutung von indirekten Aufmerksamkeitssignalen. Konfliktreaktionen werden dann zu Warnsignalen, wenn sie an Häufigkeit, Intensität und Dauer zu nehmen. Dieser Fall tritt ein, wenn eine Situation länger anhält, die nicht oder nur mühsam durch eigene Aktivität bewältigt werden kann. Der Hund zeigt uns so indirekt, dass er sich im Grenzbereich seiner Verhaltensmöglichkeiten und -strategien befindet. Seine Gesamtstimmung ist nunmehr meist ängstlich oder negativ besetzt. Dies ist der entscheidende Punkt, an dem sich die Stimmung zusammen mit den übrigen Eindrücken des Geschehens nach dem Prinzip „gleichzeitig Erlebtes und Empfundenes verknüpft sich“ zu einem möglicherweise bleibenden negativ besetzten Gedächtnisinhalt verbindet. Gehäuft und intensiv auftretende Konfliktreaktionen sind beim Welpen zuverlässige Indikatoren dafür, dass die Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit erreicht sind. Ein überschreiten dieser Grenzen birgt immer die Gefahr späterer Wesensmängel, Verhaltensstörungen in sich und kann längerfristig auch zu gesundheitlichen Schädigungen durch Stress führen. Viele Konfliktreaktionen kommen aus dem Bereich der Körperpflege und sind im Bezug auf die Gesamtsituation deplaziert. Sie reichen vom Lecken der eigenen Schnauze über Gähnen hin zu Fellschütteln, Fellkratzen, Lautäußerungen, manche Hunde apportieren Gegenstände, beißen in Objekte, fressen Gras oder trinken Unmengen Wasser, andere springen hin und her – alles aufzuzählen würde den Rahmen des hier möglichen sprengen. Als weitere Zeichen dafür, dass sich ein Hund in einem inneren, meist schön länger anstehenden Konflikt befindet, finden sich häufig auch Erregungszustände wie Hecheln, Speicheln, Körperzittern, gesträubte Fellpartien, Schreckhaftigkeit und dergleichen mehr. Trösten oder verärgertes Schimpfen wirkt in einer Situation, in der ein Hund gehäuft Konfliktreaktionen zeigt, verstärkend und ist somit kontraproduktiv. Am besten ist ein schnell, aber nicht hektisch herbeigeführter Situationswechsel, das überführen der Eigenaktivität des Hundes in ein ablenkendes, aufmunterndes Spiel, gerade bei Welpen ein gut funktionierendes Manöver. Natürlich gibt es immer wieder einmal auch Konfliktsituationen, die nicht aufgelöst werden, in der Regel bleiben gelegentlich auftretende Fehler bei einem ansonsten stabilen Hund ohne weitere Folgen. Es gibt eine Reihe von Situationen, die gerade bei Welpen schnell zu überforderung führen und dabei doch einfach zu vermeiden wären: · Durch falsche Rasse-Auswahl fehlt die übereinstimmung zwischen den rassebedingten Bedürfnissen des Hundes und seinen Haltungsbedingungen · Die Umgebung während der Aufzucht ist reiz- und strukturarm und bedingt so eine unterentwickelte oder fehlende Bewältigungsfähigkeit neuer Situationen · Eigenaktive Bewältigung der natürlichen Angst vor Unbekanntem wird durch fehlende Lerngelegenheiten eingeschränkt · Verlassensängste werden durch mangelhafte und überfordernde Gewöhnung des Welpen an das artwidrige Verhalten Alleine-Bleiben ausgelöst · Mensch und Hund finden keine Kommunikationsebene · Verhaltensleistungen werden verlangt, die der Hund (noch) gar nicht erbringen kann · Unpassende Art- und Altersgenossen als Spielkameraden und Partner des sozialen Lernens Auch im Umgang mit dem erwachsenen Hund erweist sich das Beachten von Konfliktreaktionen als hilfreich, sei es nun in der Ausbildung oder beim Kennenlernen (Einschätzen) eines „Second-Hand-Hundes“. |