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Hundesenioren
Das Leben im Tierheim ist für alte Hunde besonders belastend, vor allem wenn einschneidende Erlebnisse wie schlechte Behandlung oder ausgesetzt werden vorausgingen, aber auch, weil ihnen ihre langjährigen Bezugspersonen fehlen. Fast alle dieser Hunde bewahren sich jedoch die Fähigkeit, wieder eine intensive Bindung zu einem oder mehreren Menschen einzugehen. Natürlich ist der Mensch auch bei der Aufnahme eines alten Hundes gefordert, nur eben auf eine andere Art als beim Einzug eines jungen Hundes oder gar Welpen. Statt dem übermut eines Jungspunds konsequent zu begegnen, aktiv einzugreifen und zu schulen ist beim Senior das zurückhaltende Beobachten vorrangig. Auf diese Art erfährt man als Mensch recht schnell, wer der neue Lebensgefährte ist und welche Bedürfnisse er hat. Der Hund zeigt dem Menschen, was er in seinem bisherigen Leben gelernt hat und vor allem, wie es ihm geht. Natürlich braucht auch der alte und noch ungekannte Hund Konsequenz. Diese findet sich jedoch eher in einer klaren, verlässlichen Struktur, im kontinuierlichen Anbieten und probieren und vor allem im Vertrauen auf die Zeit. Manche der alten Hunde sind in der Anfangszeit regelrecht erschöpft von den Strapazen des Tierheim-Aufenthaltes und brauchen eine Zeit der Ruhe, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Manche von ihnen scheinen in der ersten Zeit hauptberuflich zu schlafen und an nichts interessiert. Kontinuierlich anbieten, ohne aufdringlich zu sein, ist hier die menschliche Strategie und natürlich beobachten, um ein übersehenes körperliches Problem auszuschließen. Das Argument, ein älterer Hund koste mehr, da er vermutlich öfter zum Tierarzt müsse, gilt nur solange, bis der junge Hund alt geworden ist und jeder junge Hund wird einmal alt. Und den Tierarzt sieht er, je nach Temperament, vielleicht auch davor schon relativ häufig aufgrund irgendwelcher Verletzungen. Dass man einen jüngeren Hund meist Jahre länger hat als einen älteren, ist durchaus richtig, daraus aber zu schließen, die Beziehung zu einem jüngeren Hund sei tiefer und besser, ist so nicht richtig. Wichtig ist nicht die Anzahl der Jahre, die man miteinander verbringt, sondern wie intensiv man diese nutzt – und ältere Hunde nutzen ihre Zeit! Denn vieles im Leben eines älteren Hundes hat die Bedeutung früherer Jahre verloren, der intensive Kontakt und das Spiel mit Artgenossen, die Intensität des der Jagdtriebs, weit wichtiger ist für den alten Hund die Beziehung zu seinem direkten Umfeld. Die Senioren merken genau, wenn ihnen Liebe und Fürsorge entgegengebracht wird und geben diese Liebe x-fach zurück. So erobern sich die älteren Hunde die Herzen ihrer Menschen langsam, unmerklich, aber allumfassend. |